Ursprünglich war ein soziokulturelles Zentrum im ehemaligen Kühlhaus in Weinhübel geplant, der Verein "SozioKulti Kühlhaus e.V." wurde 1995 gegründet. Aber verschiedene Hindernisse ließen das Vorhaben scheitern. Übrig blieb der Verein, der Ende der neunziger Jahre im Apollo einige Konzerte junger Bands, Kleinkunstveranstaltungen, Theater, Filmvorführungen und vieles mehr organisierte.
Mit der Zeit zogen sich immer mehr Mitglieder aus der Vereinsarbeit zurück. Die Verbliebenen konnten den Umfang der Aktivitäten nicht mehr aufrecht erhalten. Nach einigen Überlegungen, wie es nun weitergehen
soll, kam die Idee auf, ein Programmkino zu eröffnen. Ein Programmkino ist ein kleineres Kino, in dem künstlerisch anspruchsvolle Autorenfilme gezeigt werden.
Auch im Görlitzer Programmkino sollten ausgesuchte Filme gezeigt werden, die im Görlitzer Palasttheater nicht vorgeführt werden. Man wollte das Programm selbst bestimmen. Anspruchsvoll sollte es sein, künstlerisch hochwertig, thematisch interessant und abseits vom Alltäglichen. Und natürlich sollte endlich ein fester Veranstaltungsort etabliert werden.
Im September 2000 war es dann endlich soweit, das Kinocafé eröffnete.
Genauer gesagt öffnete zunächst das Café, das Kino befand sich noch in der baulichen Endphase und öffnete erst im November 2000. Dennoch fanden zwischenzeitlich erste Kinoveranstaltungen statt, und zwar unter einfachsten Bedingungen im Foyer des Hauses.
In der Anfangszeit des Kinos mussten die Betreiber sich mit vielen Sachen vertraut machen:"Wir wussten wenig und wollten viel", erinnern sie sich heute zurück. Vor allem die technischen Details der Projektion mit den Filmgeräten aus den fünfziger Jahren waren ihnen fremd. Diese
Geräte – technisch etwas nachgerüstet – rattern noch heute fast täglich im Camillo die Filme runter, und das nun seit über 10 Jahren! Zunächst standen sie frei im Raum, jeder konnte dem Vorführer auf die Hände sehen. Heute aber stehen sie in einem Vorführhaus, schallgedämpft wegen der Geräuschbelastung. Die Geräte sind all die Jahre geblieben, die Filmvorführer aber haben in den vergangenen Jahren gewechselt.
Ja, das kleine Programmkino Camillo im Handwerk 13, mitten in der Görlitzer Altstadt, hat es geschafft. Zehn Jahre voller interessanter Veranstaltungen: Dokumentarfilmwoche, Filmtage, Regisseure als Gäste zum Film, Diskussionsrunden, Vorträge und Gespräche zu einzelnen Thematiken, Ausstellungen zum Film, Filmfestivals, Sommerkino, Kinderkino, Filmklassiker, Filmcafé am Nachmittag, Film mit passenden Essen…und natürlich das regelmäßige Kinoprogramm. Alles in allem eine intensive Zeit, sehr viel Ehrenamt, sehr viel Engagement, auch Bangen und Hoffen und weiter machen.
Das Camillo wird jedes Jahr von 4 000 bis 5 000 Gästen besucht. Das reicht natürlich nicht aus, um kostendeckend zu arbeiten. Ohne Helfer, die ehrenamtliche tätig sind, ohne Praktikanten und nur stundenweise beschäftigte Filmvorführer, könnte das Camillo nicht überleben. Frau Carmen Neumann ist von Anfang an dabei:"Man kann immer nur ein paar Monate nach vorn blicken, weiter nicht."
Nun, zum 10jährigen Kino-Geburtstag, gibt es eine Veranstaltungsreihe. Zehn Themen werden bis Ostern einen Querschnitt durch zehn spannende Camillo-Jahre ziehen. Es gibt eine Ausstellung, Livemusik und – wie kann es anders sein – natürlich Filme.
Und ein Geschenk hat das Geburtstagskind Programmkino Camillo auch
bekommen: Eine neue Bestuhlung! Gepolsterte Klappstühle, die schon in Görlitz Geschichte gemacht haben. Es ist das alte Gestühl aus dem Theater, vor Jahren ausrangiert, neu aufgearbeitet und frisch bezogen, das jetzt in leuchtendem Rot unseren Kinosaal schmückt.
Viel Glück, Frau Neumann, für die nächsten zehn Jahre!
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